Die re:publica 2010 liegt nun schon ein paar Tage zurück und auch ich möchte meine Gedanken und Eindrücke mit Euch teilen. Das Event startete am Mittwoch mit langen Schlangen und Warterei bei der Anmeldung, was sich auf Grund der 2500 Teilnehmer auch nicht ganz vermeiden lies. Nach der offiziellen Eröffnung nahm Peter Glaser auf der Hauptbühne das Wort, der eine schöne Einführung in die digitale Faszination gab. Medial überstrahlt wurde dieser Tag vom einstündigen Vortrag von Jeff Jarvis, der unter dem Titel “The German Paradox” über Datenschutz, Offenheit und Penisse sprach. Der charismatische Jeff verzauberte mit seiner Vortragsweise nicht nur die anwesenden Blogger, sondern auch die Presse, die ihn am Folgetag zum Star der re:publica machte. Sogar das Angebot zu einem gemeinsamen Talk in der Sauna wurde angenommen, den Bericht dazu gibt es bei Jakob. Für Jarvis’ Thesen gab es aber nicht nur Lob, so bemängelte Meedia Worthülsen und eine übertriebene Selbstdarstellung. Kritikpunkte die nicht einfach so wegzuwischen sind.
Wirkliches, inhaltliches Vortagshighlight des ersten Tages war Prof. Dr. Peter Kruse, der mit einer brandneuen Untersuchung aus der Systemtheorie aufwarten konnte. Da das Thema durchaus komplex ist und nicht mit ein paar Sätzen abzuhandeln, möchte ich euch das Video und die Folien des Vortrags ans Herz legen. Unbedingt ansehen! Zur anschließenden Diskussion und Verwertung der Erkenntnisse hat sich Manfred Messmer seine Gedanken gemacht. An dieser Stelle sei auch ein kritischer Einwurf zur re:publica erlaubt: Die Verteilung der Vortragszeiten war nicht immer schlüssig. So musste sich Peter Kruse mit 30 Minuten zufrieden geben, wohingegen einige absolute unsinnige und teilweise sogar inhaltsleere Vorträge eine Stunde (und mehr) Zeit bekamen. Den Abschluss des ersten Konferenztages bildete für mich der Vortrag “Sex and internet” von Melissa Gira Grant, der seinen eigenen Charm hatte – mehr sei dazu nicht gesagt. ;-) “How to survive a shitstorm” von Sascha Lobo lies ich ausfallen. Verpasst habe ich diesmal leider ebenfalls die prominent besetzte Twitterlesung (siehe Foto) und Abendveranstaltung, es wurde aber – wie nicht anders zu erwarten – nur Positives berichtet.
Tag zwei bot für meinen Geschmack eher wenig interessante Themen, da er ganz im Zeichen des Themas Netzneutralität stand. Auf Grund der aktuellen Diskussion war der Vortrag von Julian Aussage und Daniel Schmitt von Wikileaks sehr gut besucht und hielt auch was er versprach. Wirklich Neues war aber nicht dabei. Am Nachmittag nutzte ich die Zeit deshalb für Gespräche und Networking. Der Abend fand dann in “Wenn Prada Paketet schickt – Die neue Macht der Modeblogs” auch das absolute Negativhighlight der re:publica 2010. Mahret Kupka, Julia Knolle, Tillmann Prüfer und Mary Scherpe führten eine, meiner Meinung nach absolute künstliche, (Moral-) Diskussion darüber, ob sie denn Geschenke und Pakete der Labels annehmen dürfen, gesetzt dem Fall jemand sendet ihnen etwas zu. Das Thema war also eher: “Wenn Prada Pakete schicken würde – eine Stunde verschenkte Zeit.”
Zum Freitag, dem dritten und letzten Tag der re:publica, kann ich leider gar nicht so viel sagen, da mich eine Reihe von geschäftlichen Terminen am Besuch der Vorträge abhielt. Als ich dann um kurz vor 17 Uhr endlich den Friedrichstadtpalast erreichte stand schon der nächste Expertentalk auf der Tagesordnung. Ich traf mich auf einen Kaffee mit Kristoffer Lassen von Imooty (Beitrag zu Imooty), um mit ihm die Probleme von Social Media Monitoring in großen Konzernen zu besprechen. Es war eine sehr angenehme und inspirierende Unterhaltung, von der sicher beide Seiten profitieren können. Ich habe einiges über die Hintergründe und Zukunftsgedanken von und zu Imooty erfahren und Kristoffer etwas über unsere Probleme gelernt, was dann in die Softwareentwicklung einfließen kann. Danke.
Das emotionale Highlight, absoluter Höhepunkt und zugleich Schlussakkord der re:publica war ein Skypechat mit Twittergründer Biz Stone. Eigentlich war es eher das Warten auf den Chat, der am Ende auch gar nicht zustande kommen sollte. Um die Wartezeit auf den verspäteten Biz zu überbrücken, animierte Johnny Häusler die Kalkscheune zu Karaoke auf Queens Bohemian Rhapsody. Dank Gilly (sein re:publica Fazit) könnt ihr euch dieses Stück re:publica-Geschichte nun hier im Video ansehen.
Die anschließende Party war ebenfalls sehr unterhaltsam, auch wenn die Kräfte merklich nachließen. Neben den Vorträgen und Workshops war die re:publica 2010 aber wieder vor allem eins: Deutschlands größtes Bloggerklassentreffen und Social Media Networking Event. An dieser Stelle sei auch den zahlreichen weiteren Gesprächspartnern gedankt, es war wie immer sehr aufschlussreich! Unter anderen waren dabei: Hendric von Jimdo, Yasmin von der Telekom, Catharina von der Mainpost, Martin von Friendticker und Jörn von Marcellini. See you in 2011!
Eine ausführliche Linkliste mit Nachberichten der re:publica 2010 gibt es dann bald hier auf der offiziellen Webseite. Photo unter CC3.0 by Anaurath.
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